{"id":151,"date":"2021-02-23T13:13:12","date_gmt":"2021-02-23T12:13:12","guid":{"rendered":"https:\/\/tfk-berlin.de\/neu\/?page_id=151"},"modified":"2023-01-24T12:29:04","modified_gmt":"2023-01-24T11:29:04","slug":"25-jahre-tfk","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/tfk-berlin.de\/?page_id=151","title":{"rendered":"25 Jahre tfk, 2010"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Rede von Anemone Poland<\/em><br><em>gehalten am 7. November 2010 anl\u00e4sslich des 25j\u00e4hrigen Bestehens des<\/em> <em>theaterforum kreuzberg<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Liebe G\u00e4ste,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">liebe Freunde und F\u00f6rderer des theaterforum kreuzberg,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">heute, auf den Tag genau vor 25 Jahren versammelte sich hier zum erstenmal ein Publikum, um eine Theatervorstellung zu sehen. Damals wie heute spielte man Ionesco \u2013 vielleicht kein Zufall?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zeit des Theaters ist der Moment, der Augenblick \u2013 nie die Dauer, das feste Bleiben. Eine Theatervorstellung ist irgendwann vorbei, nach zwei, drei Stunden \u2026 Was bleibt, wenn der letzte Vorhang gefallen ist? Das ist sprichw\u00f6rtlich gemeint, denn wie Sie wissen, gibt es bei uns gar keinen Vorhang.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Also, was bleibt? Die Erinnerung an erz\u00e4hlte Geschichten, an Bilder, Gef\u00fchle und Gedanken, die jeder Zuschauer mit nach Hause nimmt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es bleiben die Erfahrungen, die die K\u00fcnstler w\u00e4hrend der Arbeit hier machen, ein paar Fotos, Rezensionen \u2026<br>Theater ist ein fl\u00fcchtiges Medium.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber Theater kann auch ganz physisch gemeint sein, ein Haus, ein Ort, an dem Theater gemacht, gespielt wird. Und dieser Ort bleibt, hat Bestand, solange er mit Theater \u201eangereichert\u201d wird, solange es Menschen gibt, die zeigen wollen, was sie geschaffen haben und andere, die sich daf\u00fcr interessieren, die sich dieses Geschaffene anschauen m\u00f6chten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jeder K\u00fcnstler, der hier aufgetreten ist, geschwitzt, sich gefreut und auch gequ\u00e4lt hat, jeder, der hinter der B\u00fchne, am Tresen, im B\u00fcro gearbeitet hat und auch jeder Besucher, sie alle haben ihre Spuren hinterlassen. Stellen Sie sich vor, das alles k\u00f6nnte man sichtbar, greifbar machen, wie die Jahresringe an einem Baum. Das Kondensat aller Ereignisse und Begegnungen, die ber\u00fchmte Theaterluft, die Atmosph\u00e4re eines Theaters, die ist nicht einfach da, sie muss geschaffen werden. Eine Besucherin, die k\u00fcrzlich zum erstenmal hier war, sagte: \u201eOh, das riecht hier nach guter Arbeit.\u201d Dass wir alle gern und freiwillig hier sind und arbeiten k\u00f6nnen, trotz aller Schwierigkeiten \u2013 es l\u00e4uft ja nicht immer alles glatt, und es ist nicht immer Harmonie und Sonnenschein \u2013 das macht die Ausstrahlung des tfk aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein kleiner R\u00fcckblick:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1985 hatten junge Theaterleute auf Initiative von Jobst Langhans begonnen, den alten Ballsaal des ehemaligen K\u00f6penicker Hofes zu einem Theater auszubauen. Man wollte einen Ort f\u00fcr k\u00fcnstlerische Experimente schaffen. Hauptinteresse war dabei die Schauspielmethodik von Michael Tschechow, die in Deutschland zu dieser Zeit nahezu unbekannt war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sieben Jahre sp\u00e4ter, 1992 fand zum erstenmal in Deutschland ein Michael Tschechow Workshop statt. Die Mauer\u00f6ffnung hatte es m\u00f6glich gemacht, Theaterk\u00fcnstler aus Ost und West von Sibirien bis Los Angelos hier ins tfk einzuladen. Heute ist die Arbeit von Michael Tschechow bekannt und beeinflusst die Lehrpl\u00e4ne der staatlichen und privaten Schauspielschulen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu einem Theatergeb\u00e4ude geh\u00f6ren ja nicht nur B\u00fchne und Zuschauerraum, sondern auch Garderoben, Toiletten, Duschen, Lagerr\u00e4ume f\u00fcr Requisiten und Dekorationen, ein Kost\u00fcmfundus, Werkst\u00e4tten und ein B\u00fcro. Das alles war bei der Er\u00f6ffnung noch nicht fertig, aber man konnte spielen, ein Publikum empfangen. Als ich 1990 zum erstenmal hierher kam, damals als Schauspielerin in \u201eDer Tote Tag\u201d von Ernst Barlach, war die Bauphase gerade abgeschlossen. Ich mochte dieses Theater, die Arbeit miteinander, die Verbundenheit mit den anderen Projekten, die sich unter dem Dach des Forum Kreuzberg angesiedelt hatten. Die meisten Projekte im Forum sind sozial-p\u00e4dagogisch orientiert, aber das Theater als Kulturprojekt war gewollt und erw\u00fcnscht, es wurde als notwendig, als notwendige geistige Nahrung gesehen. An dieser Stelle m\u00f6chte ich herzlich allen Forums-Gr\u00fcndern und Mitgliedern danken, denn ohne ihre finanzielle, praktische und ideelle Unterst\u00fctzung w\u00e4re es nicht m\u00f6glich gewesen, dieses Theater 25 Jahre lang ohne \u00f6ffentliche Zuwendungen zu betreiben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als ich das tfk dann n\u00e4her kennengelernt hatte, fand ich \u2013 typisch f\u00fcr eine Schauspielerin \u2013 dass hier mehr Vorstellungen stattfinden m\u00fcssten, aber das war f\u00fcr das hauseigene Ensemble nicht leistbar, denn keiner der B\u00fchnenk\u00fcnstler konnte \u2013 damals wie heute \u2013 von seiner Arbeit hier leben. Ich kannte einige Kollegen und andere Ensembles, die Auff\u00fchrungsorte f\u00fcr ihre St\u00fccke suchten, und so begann ich, einen Gastspielbetrieb aufzubauen. Das brachte nicht nur Mieteinnahmen \u2013 nicht viel, denn die anderen Ensembles haben genau so wenig wie wir \u2013 es brachte vor allem frischen Wind, neue Menschen und neue Ideen ins tfk.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute wird an jedem Wochenende gespielt, oft auch unter der Woche, ohne Sommerpause. Im letzten Jahr gastierten 26 verschiedene Ensembles, es fanden 140 Vorstellungen statt. Dass es dabei manchmal sehr lebhaft zugeht, k\u00f6nnen Sie sich vorstellen; die freie Szene ist sehr kreativ und selten berechenbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das tfk ist als Gastspielort gefragt, Tendenz steigend, denn viele kleine Theater mussten, wie sie vielleicht wissen, in der letzten Zeit schlie\u00dfen, weil ihnen das Wasser bis zum Hals stand oder sie haben aufgegeben, denn diese ewige Antragstellerei auf F\u00f6rderung, die damit verbundenen Hoffnungen, die Entt\u00e4uschungen, wenn ein Antrag wieder ohne Begr\u00fcndung abgelehnt wurde, ist auf die Dauer kr\u00e4ftezehrend und zerm\u00fcrbend. Das kenne ich leider aus eigener Erfahrung nur zu gut.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor 5 Jahren wurde es auch am tfk finanziell richtig eng. Der Forum Kreuzberg e. V. musste die H\u00f6he der Zuwendungen absenken, um andere Projekte im Forum am Leben zu halten, eine Stiftung, die Produktionen finanziert hatte, l\u00f6ste sich auf. Nach einer Anh\u00f6rung beim damaligen Berliner Kultursenator war mir klar, dass die Chancen auf \u00f6ffentliche F\u00f6rderung gleich Null sind. Genau zu dieser Zeit lernte ich Herrn von Oppeln kennen, den ich sehr herzlich begr\u00fc\u00dfe. Er war gerade im Begriff, eine Task Force Theater zu gr\u00fcnden, mit dem Ziel, Kulturinstitutionen zu unterst\u00fctzen und Chancen f\u00fcrs \u00fcberleben aufzuzeigen. Er wurde unser Berater und das tfk ein erstes Projekt der Task Force.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was dann folgte war ein zuweilen m\u00fchsamer Prozess der Evaluation, und ich habe mich oft gefragt, was das alles noch mit Theater zu tun hat. Aber ich wei\u00df heute, was z. B. eine Handtuchrolle in den Toiletten kostet, welche Einnahmen am Tresen erzielt werden k\u00f6nnen, was eine Betriebsstunde im Theater kostet mit Strom und Heizung und alle die kleinen Dinge, die scheinbar so selbstverst\u00e4ndlich und deshalb aus dem Bewusstsein sind. Nach einem halben Jahr, in dem eine gr\u00fcndliche Analyse der wirtschaftlichen und k\u00fcnstlerischen Situation des Theaters durchgef\u00fchrt wurde, lag ein Businessplan auf dem Tisch und es war deutlich, wo Chancen, Ressourcen und M\u00f6glichkeiten liegen, um das Theater auch in Zukunft professionell zu betreiben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dem Theater wurde eine eigenst\u00e4ndige Rechtsform gegeben, der F\u00f6rderverein theaterforum kreuzberg e. V. gegr\u00fcndet, der gemeinn\u00fctzig anerkannt ist. Damit wurde die M\u00f6glichkeit geschaffen, Drittmittel von Stiftungen und privaten Gebern f\u00fcr das Theater einzuwerben.<br>Aufgrund der transparenten Struktur, ist klar erkennbar, wof\u00fcr die Spenden verwendet werden, wohin das Geld flie\u00dft und ich m\u00f6chte Sie ermuntern: bitte lassen sie es flie\u00dfen, werden Sie f\u00f6rderndes Mitglied im theaterforum kreuzberg e. V. oder helfen Sie mit einer Spende, damit auch in Zukunft in diesem Haus lebendiges Theater stattfinden kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den K\u00fcnstlern am tfk, den Gastspielensembles gemeinsam ist, bei aller Unterschiedlichkeit der Stile, dass sie ein \u201earmes Theater\u201d machen, nicht nur der Not gehorchend. Sie sind unangepasst, bestehen auf ihrer eigenen Ausdrucksform und machen aus fast nichts interessante und anregende Theaterabende. Man k\u00f6nnte sagen, dass wir ein Recycling-Theater sind, denn die Ausstattung, die Kost\u00fcme, das B\u00fchnenbild wird meistens aus den Dingen hergestellt, die wir im Fundus oder im Keller haben, die wir geschenkt bekamen und die immer wieder in unterschiedlichster Form in Erscheinung treten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es werden St\u00fccke aufgef\u00fchrt, die man an anderen Theatern in Berlin nicht sehen kann. Mit diesen Ausgrabungen unbekannter oder vergessener Dichter, mit Erst- und Urauff\u00fchrungen haben wir uns eine kleine Marktnische in der Stadt erspielt. Und es gibt noch viel zu entdecken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute Abend sehen Sie eine realistische Kom\u00f6die von Ionesco, einem Autor, dessen Dramen, die selten gespielten und fast vergessenen sp\u00e4ten Werke wir in den letzten Jahren hier gezeigt haben \u2013 oft als Berliner Erstauff\u00fchrung. \u201eTriumph des Todes\u201d, \u201eFu\u00dfg\u00e4nger der Luft\u201d, \u201eHunger und Durst\u201d. Ionescos Protagonisten existieren an der Schwelle, balancieren am Rand, und sie passen sich nicht an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich habe dieses St\u00fcck \u201eJakob oder die Unterwerfung\u201d als Jubil\u00e4umsinszenierung gew\u00e4hlt, weil die Situation des Jakob uns so gut bekannt ist und weil das ganze mit viel Humor erz\u00e4hlt wird. Denn es ist eine Kom\u00f6die, obwohl Ionesco sagt: \u201dImmer wenn ich eine Trag\u00f6die schreiben wollte, lachen die Leute und bei meinen Kom\u00f6dien weinen Sie\u201d. Ich hoffe, dass Sie heute Abend auch lachen k\u00f6nnen oder wie der Vater Robert im St\u00fcck sagt: \u201eEs macht mich traurig mit einem Auge, mit den beiden anderen muss ich weinen.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir m\u00f6chten Ihnen zeigen, dass wir sehr lebendig sind und vorhaben, es auch zu bleiben \u2013 allen Widerst\u00e4nden zum Trotz. Mut und Durchhaltewillen haben wir und Pl\u00e4ne f\u00fcr die n\u00e4chsten Ausgrabungen auch. Bleiben Sie uns gewogen, ein interessiertes, nachfragendes und auch kritisches Publikum, das ein Theater braucht. Ich danke f\u00fcr Ihre Aufmerksamkeit und w\u00fcnsche Ihnen und uns einen anregenden Theaterabend und im Anschlu\u00df bleiben Sie und feiern Sie mit uns das 25j\u00e4hrige Bestehen des theaterforum kreuzberg.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">* * *<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>25 Jahre theaterforum kreuzberg<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">K\u00f6nnte man die Zeit doch einige hundert Jahre zur\u00fcck drehen! Dann w\u00e4re im Haus der Eisenbahnstra\u00dfe 21 noch heute das Thorschreiberhaus, also die Unterkunft des Torschreibers, der im 18. Jahrhundert an dieser Stelle die Kontrolle \u00fcber das Schlesische Tor hatte und die Steuereinnahmen aus dem Wege- und Torzoll einnahm und verwaltete. Dann w\u00fcrde das theaterforum kreuzberg also nicht nur dank Enthusiasmus, Mut und Durchhaltewillen weiterleben, sondern von \u00f6ffentlichen Steuergeldern profitieren k\u00f6nnen. Andererseits, damals gab es ja noch kein Theater:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Vor 2500 Jahren in Griechenland<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Name Theaterforum verweist auf die Wurzeln des Theaters in Griechenland. Das Theater entstand damals im \u00f6ffentlichen Raum, auf dem Forum. Und das Teatron war der an das Forum angrenzende Raum f\u00fcr die Zuschauer. Schon damals war das Theater von staatlicher Einflussnahme so unabh\u00e4ngig wie das tfk heute. Und ebenso wie damals, ist auch heute noch das Theater der Ort, an dem Fragen der Gegenwart im dramatischen und phantasievollen Geschehen durchgespielt werden. Manches Theater ist heute nur nicht mehr ganz so unabh\u00e4ngig. Das theaterforum kreuzberg hingegen hat sich die v\u00f6llige Unabh\u00e4ngigkeit und Selbst\u00e4ndigkeit bewahrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Vor 250 Jahren in Deutschland, um 1850<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im 18. Jahrhundert, also vor ca. 250 Jahren, etablierte sich in Deutschland das b\u00fcrgerliche Theater, nachdem Jahrhunderte lang Theater nur bei Hofe als Vergn\u00fcgen f\u00fcr die Adligen oder als volkst\u00fcmliche Belustigung auf der Kirmes stattfand. Lessing ist es zu verdanken, dass sich eine b\u00fcrgerliche, \u00f6ffentliche B\u00fchne auch in Deutschland entwickelte. Nur mit gro\u00dfer Verz\u00f6gerung und gegen allergr\u00f6\u00dfte Widerst\u00e4nde entstanden die verschiedenen gro\u00dfen B\u00fchnenh\u00e4user in Deutschland: das von Lessing gegr\u00fcndete Deutsche Nationaltheater in Hamburg, das von Schinkel geplante Schauspielhaus Berlin. Mit der Errichtung dieser Theater, die nun gesch\u00fctzten Raum f\u00fcr \u00f6ffentliche Auff\u00fchrungen boten, entstand jedoch auch ein finanzieller Bedarf dieser Theater. Zwar hatte man nun die Gewerbefreiheit, die Theater mussten sich diese Freiheit aber schon fr\u00fch wirtschaftlich selbst\u00e4ndig absichern. Es entstanden damals die sogenannten Theateraktivvereine. \u2013 Und damals war in der Eisenbahnstra\u00dfe dann schon kein Steuereinnehmer\/Torschreiberhaus mehr, sondern ein kommerzielles Restaurant samt Tanzsaal und Kegelbahn, das f\u00fcr Hochzeiten, Versammlungen und andere Feste vermietet wurde, als Teil des K\u00f6penicker Hofes. An ein Theater an dieser Stelle dachte damals noch niemand.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Vor 25 Jahren in Berlin, 1985<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die traditionellen H\u00e4user und R\u00e4umlichkeiten der K\u00f6penicker Str. 174 und Eisenbahnstr. 21 sind inzwischen vom Verein Forum Kreuzberg umfangreich saniert und zu Gro\u00dfstadtoasen entwickelt worden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier gr\u00fcndete 1985 der Lehrer, Schauspieltrainer und Regisseur Jobst Langhans das tfk mit dem programmatischen St\u00fcck Der K\u00f6nig stirbt von Ionesco. Langhans leitete das Theater bis 1995 und betrieb nebenher noch die Gr\u00fcndung des Michael Tschechow Studios. Von Anfang an war das tfk als Trainingsst\u00e4tte auch f\u00fcr Berufsanf\u00e4nger der Schauspielerei gedacht und bietet seither jungen B\u00fchnenk\u00fcnstlern, die ihre Karriere beginnen wollen, die M\u00f6glichkeit, sich zu etablieren. Denn das tfk sollte stets ein Ort f\u00fcr k\u00fcnstlerische Experimente und ein Theaterlabor sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den 80er Jahren hatte sich in Berlin eine h\u00f6chst lebendige Theaterszene entwickelt, die eine Vielzahl kleiner Freier Theater hervorbrachte. Diese Theaterszene war des schwerf\u00e4lligen, b\u00fcrgerlichen Theaterbetriebes \u00fcberdr\u00fcssig geworden und proklamierte nun ein neues Verst\u00e4ndnis der Theaterarbeit. Man wollte die soziale Struktur des Theaters reformieren, aber auch die Inhalte und die \u00e4sthetische Form. Am tfk widmete man sich der Schauspielmethodik von Michael Tschechow (dem Neffen des ber\u00fchmten Dichters Anton Tschechow), bei der die Imagination des Schauspielers eine gro\u00dfe Rolle spielt. Bis heute wird dies so praktiziert, die Schulung der Schauspieler des hauseigenen Ensembles bildet die wichtigste S\u00e4ule des erfolgreichen Theaterbetriebes am tfk.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dazu z\u00e4hlen die vielen Gastspiele und Schauspielkurse, die Anemone Poland, die seit 1996 das tfk engagiert leitet, f\u00fcr das Theater organisiert. J\u00e4hrlich werden auf hohem Niveau etwa 20 Produktionen verschiedener Gast-Ensembles gezeigt, Jugendtheaterprojekte und vor allem bedeutende Eigeninszenierungen. Auf die B\u00fchne kommen St\u00fccke der klassischen Moderne, die man in Deutschland kaum kennt oder die zu Unrecht vergessen sind. Darunter wahre Entdeckungen der Regisseurin Poland, wie das Drama des Malers Max Beckmann oder die St\u00fccke von Ionesco, zu denen sie immer wieder zur\u00fcckkehrt. Denn Ionesco ist f\u00fcr das engagierte Ensemble des tfk programmatisch: absurd, witzig und auch empfindsam gegen\u00fcber jeglicher Unfreiheit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das theaterforum kreuzberg begeistert immer wieder seine Zuschauer. Aber:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eLeicht kommt man ans Bilderrmalen, doch schwer an Leute die\u2019s bezahlen.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man w\u00fcnscht dem tfk f\u00fcr die n\u00e4chsten 25 Jahre alles Gute und im Sinne von Wilhelm Busch auch viele F\u00f6rderer und Unterst\u00fctzer f\u00fcrs Weitermachen. Damit noch viele wunderbare Theaterabende dem Publikum im spielerischen Licht der B\u00fchne neue L\u00f6sungswege und Sichtweisen der Gegenwartsprobleme aufscheinen lassen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Helga Prignitz-Poda, September 2010<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wollen Sie uns mit unterst\u00fctzen?<br>Dann werden Sie f\u00f6rderndes Mitglied im<br>theaterforum kreuzberg e. V.<br>Kontakt: Petra Hildebrand-Wanner, Tel: 612 88 880<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rede von Anemone Polandgehalten am 7. November 2010 anl\u00e4sslich des 25j\u00e4hrigen Bestehens des theaterforum kreuzberg Liebe G\u00e4ste, liebe Freunde und F\u00f6rderer des theaterforum kreuzberg, heute, auf den Tag genau vor 25 Jahren versammelte sich hier zum erstenmal ein Publikum, um eine Theatervorstellung zu sehen. Damals wie heute spielte man Ionesco \u2013 vielleicht kein Zufall? 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