{"id":5680,"date":"2024-10-03T15:14:55","date_gmt":"2024-10-03T13:14:55","guid":{"rendered":"https:\/\/tfk-berlin.de\/?page_id=5680"},"modified":"2024-10-04T15:22:25","modified_gmt":"2024-10-04T13:22:25","slug":"30-jahre-tfk","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/tfk-berlin.de\/?page_id=5680","title":{"rendered":"30 Jahre tfk"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Rede von Anemone Poland zum 30j\u00e4hrigen Bestehen des theaterforum kreuzberg<\/strong> <strong>im November 2015<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Liebe Freunde und F\u00f6rderer des theaterforum kreuzberg, liebe G\u00e4ste,<\/p>\n\n\n\n<p>wir freuen uns, dass Sie heute Abend den Weg zu uns gefunden haben und ich m\u00f6chte Sie auch im Namen des Ensembles und des Teams des tfk herzlich willkommen hei\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute, auf den Tag genau vor 30 Jahren ging in diesen R\u00e4umen zum ersten Mal eine Vorstellung \u00fcber die B\u00fchne. Ein paar junge Theaterleute hatten sich auf Initiative von Jobst Langhans zusammen gefunden und angefangen den alten Ballsaal des ehemaligen K\u00f6penicker Hofes zu einem Theater umzubauen. Man wollte einen Ort f\u00fcr k\u00fcnstlerische Experimente schaffen. Besonderes Interesse lag dabei auf der Schauspielmethodik von Michael Tschechow \u2013 und ist es bis heute geblieben, hat sich sogar noch intensiviert, wie die inzwischen gegr\u00fcndete Schauspielschule zeigt.<br>Lieber Jobst, ich freue mich, dass Du heute hier sein kannst. H\u00e4ttest Du es Dir damals tr\u00e4umen lassen, dass wir uns 30 Jahre sp\u00e4ter hier versammeln, um Deinen Gr\u00fcndungsimpuls zu feiern? Wahrscheinlich hattet Ihr f\u00fcr solche Gedanken damals gar keine Zeit. Aber so wie ich Dich kenne, sind Dinge, die Du einmal ins Leben rufst nicht auf Sand gebaut, sondern von Dauer.<br>Obwohl \u2026<br>Die Theaterkunst ist eine fl\u00fcchtige. Eine Theatervorstellung ist irgendwann vorbei. Was bleibt? Die Erinnerung an Bilder, W\u00f6rter, Gef\u00fchle, Gedanken, die die Zuschauer mit nach Hause nehmen. Es bleiben die Erfahrungen, die die K\u00fcnstler w\u00e4hrend der Arbeit hier machten, ein paar Fotos, Videos, Rezensionen \u2026<br>Die Zeit des Theaters ist der Moment, der Augenblick, das unmittelbare Erleben &#8211; nie die Dauer, das feste Bleiben. Theater bedeutet Verwandlung, Bewegung.<br>Aber Theater kann auch ganz physisch gemeint sein, ein Haus, ein Ort, an dem Theater gemacht, gespielt wird. Und dieser Ort bleibt, hat Bestand, solange es Menschen gibt, die zeigen wollen, was sie geschaffen haben und andere, die sich daf\u00fcr interessieren und sich dieses Geschaffene anschauen m\u00f6chten.<br>Theater macht man immer gemeinsam. Ein Merkmal dieses Hauses ist das Ensemble, und damit meine ich nicht nur diejenigen, die in einer Auff\u00fchrung sichtbar werden, die Schauspieler, S\u00e4nger und T\u00e4nzer, ich meine nicht nur, diejenigen, die an einer Inszenierung mitarbeiten, die B\u00fchnenbildner, Kost\u00fcmbildner, Maskenbildner, Komponisten, Beleuchter, Techniker und B\u00fchnenbauer, sondern zum Ensemble des tfk geh\u00f6ren auch die Menschen, die dazu beitragen, dass die Veranstaltungen und der Probenbetrieb so reibungslos und in guter, kollegialer Atmosph\u00e4re stattfinden. An erster Stelle m\u00f6chte ich Petra Hildebrand-Wanner nennen, die seit vielen Jahren das k\u00fcnstlerische Betriebsb\u00fcro leitet. Ich m\u00f6chte Dir sehr herzlich danken f\u00fcr Deine Umsicht und Zuverl\u00e4ssigkeit, und auch f\u00fcr Deine Geduld, die Du mit mir hast.<br>Zum Ensemble geh\u00f6ren auch die Menschen, die die Kasse, den Vorverkauf, den Abenddienst, die Website betreuen und ganz wichtig auch diejenigen, die daf\u00fcr sorgen, dass es hier so gepflegt und sauber aussieht.<br>Es herrscht nat\u00fcrlich nicht immer Sonnenschein und Harmonie, es gibt auch Auseinandersetzungen und Mi\u00dfverst\u00e4ndnisse, aber wir wissen, warum wir hier sind und wir sind froh, hier sein zu k\u00f6nnen, obwohl keiner von seiner Arbeit hier leben kann, das ist ganz materiell gemeint!<\/p>\n\n\n\n<p>Zum tfk geh\u00f6ren auch die vielen Gastensembles, es sind in diesem Jahr 30, die ca. 150 Vorstellungen spielen, und die dazu beitragen, dass dieses Haus Bestand hat. Sie bringen frischen Wind, neue Menschen und neue Ideen mit, und auch Einnahmen. Wir versuchen die Miete f\u00fcr Gastspiele erschwinglich zu halten, denn die anderen haben genauso so viel oder so wenig wie wir. Trotzdem sind diese Einnahmen wichtig f\u00fcr den Erhalt des tfk. Aber nicht nur diese.<br>Ohne die Zuwendungen und Unterst\u00fctzung des Forum Kreuzberg F\u00f6rdervereins w\u00e4re dieses Theater nicht gegr\u00fcndet worden und h\u00e4tte bis heute nicht \u00fcberlebt. Daf\u00fcr sei den Mitgliedern des Forum Kreuzberg herzlich gedankt.<br>Als es vor 10 Jahren finanziell sehr eng wurde, (eine Stiftung, die das Theater unterst\u00fctzt hatte, wurde aufgel\u00f6st, die Zuwendungen durch den Forum Kreuzberg F\u00f6rderverein mussten abgesenkt werden, um andere Projekte am Leben zu erhalten) lernte ich Herrn von Oppeln-Bronikowski kennen, den ich sehr herzlich begr\u00fc\u00dfe. Er war damals gerade im Begriff eine Task Force Theater zu gr\u00fcnden, mit dem Ziel, Kulturinstitutionen zu unterst\u00fctzen und ihnen Chancen zum \u00dcberleben aufzuzeigen. Er wurde unser Berater und das tfk ein erstes Projekt der Task Force. Er stand uns mit Rat und Tat zur Seite, begleitete die Gr\u00fcndung und Anerkennung des gemeinn\u00fctzigen Vereins theaterform kreuzberg e.V. Bis heute ist er unser Ratgeber und vor allem Vermittler zu Unterst\u00fctzern und Stiftungen. Daf\u00fcr sei Ihnen an dieser Stelle herzlich gedankt.<br>Danken m\u00f6chte ich auch den Vereinsmitgliedern des tfk, die mit ihrer Spende zum Erhalt des Theaters beitragen.<br>Auch in Zukunft ist das tfk auf Spenden und Zuwendungen angewiesen und ich m\u00f6chte Sie ermuntern, werden Sie f\u00f6rderndes Mitglied oder helfen Sie mit einer Spende, damit auch weiterhin in diesem Haus lebendiges Theater stattfinden kann.<br>Sie werden zwei junge Damen unseres Teams treffen \u2013 Francesca und \u2026- die vorbereitete Formulare bereit halten, auf denen Sie Ihre Mitgliedschaft erkl\u00e4ren k\u00f6nnen, und am Tresen steht ein kleiner umfunktionierter Per\u00fcckenkoffer, der bereit ist, Bares zu empfangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur\u00fcck zum Geschehen auf der B\u00fchne:<br>Mit den hauseigenen Produktionen hat sich das tfk in den letzten Jahren eine kleine Marktnische in der Berliner Theaterszene erobert. Wir zeigen St\u00fccke, die Sie anderen H\u00e4usern nicht sehen k\u00f6nnen. Ich inszenierte mehrere St\u00fccke von Ionesco, \u201eHunger und Durst\u201c war sogar eine Deutsche Erstauff\u00fchrung, \u201eTriumph des Todes\u201c eine Berliner Erstauff\u00fchrung. Es gab auch eine Urauff\u00fchrung: \u201eDas Hotel\u201c ein Drama des Malers Max Beckmann. Kaum jemand wusste, dass Beckmann auch Theaterst\u00fccke geschrieben hatte. Ich lese gern und oft, meistens unbewusst zieht es mich zu den Autoren des franz\u00f6sischen Theaters, der Avantgarde aus der Mitte des 20. Jahrhunderts, die ihre Wurzeln im Surrealismus fand und viele dieser Autoren sich im Kreis um Andr\u00e9 Breton versammelt hatten. So waren hier St\u00fccke als Deutsche Erstauff\u00fchrung von Georges Schehad\u00e9 und Roger Vitrac zu sehen. Es ist immer spannend Unbekanntes zu entdecken oder Vergessenes wieder zu beleben. Schon in meiner Arbeit als Schauspielerin mochte ich besonders gern die Rollen, die vor mir noch niemand gespielt hatte, z.B. die \u201eElisaveta Bam\u201c von Daniil Charms bei den Berliner Festwochen. N\u00e4chste Woche zum Ausklang unserer Jubil\u00e4ums-veranstaltungen begeben wir uns auf Spurensuche und lesen Texte von Daniil Charms und von Hans vom Gl\u00fcck.<br>Heute Abend also Anouilh, ein Autor, der in den 60er und 70er Jahren viel gespielt wurde in Deutschland und dessen St\u00fcck \u201eAntigone\u201c auch heute noch h\u00e4ufig auf den Spielpl\u00e4nen zu finden ist. Aber seine anderen Dramen und Kom\u00f6dien scheinen vergessen. Als mir der Verlag, bei dem ich um die Auff\u00fchrungsrechte f\u00fcr \u201eEurydike\u201c nachfragte, mitteilte, dass es sich um eine Berliner Erstauff\u00fchrung handelt, konnte ich es kaum glauben. Dann dachte ich: \u201eDas passt ja !\u201c<br>Anouilh verlegt die Handlung des antiken Mythos ins Hier und Heute, genauer: auf einen Bahnhof in der s\u00fcdfranz\u00f6sischen Provinz. An diesem Transitort begegnen sich Orpheus und Eurydike. Orpheus, der mit seinem Vater als Stra\u00dfenmusiker durch die Caf\u00e9s zieht und Eurydike, eine junge Schauspielerin, die mit einem Tourneetheater durch die Provinz tingelt. Die beiden wollen ein anderes, ein ehrliches und anst\u00e4ndiges Leben f\u00fchren. Sie wollen keine Kompromisse schlie\u00dfen wie ihre Eltern oder Kollegen. Doch sie m\u00fcssen erkennen, dass sich ihre Idealvorstellung nicht verwirklichen l\u00e4sst. Sie k\u00f6nnen sich nicht abkaspeln, nicht in einem Vakuum leben. Die Erfahrungen die sie gemacht haben, das Leben, das sie bisher gef\u00fchrt haben, lassen sich nicht ausl\u00f6schen. Deshalb ziehen sie sich in eine andere Welt, ins Jenseits zur\u00fcck. Bei Anouilh ist diese andere Welt oft die Welt des Theaters. Die B\u00fchne wird zum Spiegel, der das Leben reflektiert und dem Zuschauer den Blick auf sich selbst erm\u00f6glicht. Das Theater \u2013 ein Ort, an dem Erfahrungen aufbewahrt werden aber auch ein Ort f\u00fcr Utopien. Deshalb habe ich f\u00fcr diese Jubil\u00e4umsproduktion ein St\u00fcck von Anouilh ausgew\u00e4hlt.<br>Jetzt w\u00fcnsche ich Ihnen einen anregenden Abend, bleiben Sie uns gewogen, ein teilnehmendes und auch kritisches Publikum, denn wie ich eingangs sagte:<br>Theater macht man immer gemeinsam und dazu geh\u00f6ren auch die Zuschauer!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rede von Anemone Poland zum 30j\u00e4hrigen Bestehen des theaterforum kreuzberg im November 2015 Liebe Freunde und F\u00f6rderer des theaterforum kreuzberg, liebe G\u00e4ste, wir freuen uns, dass Sie heute Abend den Weg zu uns gefunden haben und ich m\u00f6chte Sie auch im Namen des Ensembles und des Teams des tfk herzlich willkommen hei\u00dfen. 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