Geschichte

Im November 1985 eröffnete das theaterforum kreuzberg. Die Schauspielerin und Regisseurin Anemone Poland ist künstlerische Leiterin des tfk. Gespielt wurden unter ihrer Leitung Autoren der klassischen Moderne, darunter viele deutsche Erstaufführungen.

Sie inszenierte Autoren, die man in Deutschland kaum kennt oder die längst vergessen sind: Ghelderode, Tardieu, Gozzi, Tieck, Anouilh, Vitrac, Schehadé und ein Stück des Malers Max Beckmann. Mit diesen ‚Ausgrabungen’ hat sich das tfk eine kleine Marktnische erspielt.

„Das Hotel“ von Max Beckmann. Foto: Jochen Melzian

Auch in Zukunft werden (Wieder-)Entdeckungen auf dem Spielplan des tfk stehen.

Am Anfang, vor über 30 Jahren stand der Wunsch junger Theaterleute, einige hatten gerade dem Stadttheater den Rücken gekehrt, einen Ort für Experimente und künstlerischen Austausch zu schaffen: ein Theaterlabor. Untersucht wurde die bis dahin in Deutschland völlig unbekannte Schauspielmethodik von Michael Tschechow.

Neben Training, Proben und Aufführungen bauten die damaligen Ensemblemitglieder den alten Ballsaal des „Köpenicker Hof“ zu einem Theater aus. Tagesspiegel- und Lottostiftung spendierten Licht- und Tonanlage, Podien und Vorhänge. Am 7. November 1985 fand die erste Vorstellung statt. Gegeben wurde „Der König stirbt“ von E. Ionesco – (k)ein Zufall, daß nach 20 Jahren wieder ein Stück von Ionesco auf dem Spielplan steht? Doch dieses Mal stirbt nicht der König, es stirbt das Volk.

Bald kamen Gastspielanfragen anderer Ensembles. Das eigene Haus war gebaut; man hatte Zeit und Kraft, sich nach außen zu orientieren. Allmählich etablierte sich ein kontinuierlicher Gastspielbetrieb; heute gastieren ca. 20 verschiedene Ensembles im Jahr im tfk.

In der legendären Nacht zum 9. November 1989 spielte das Perpendikel Theater Heiner Müllers „Hamletmaschine“ in der Inszenierung von Rudi Müller-Poland. Als „erstes“ Haus hinter der Mauer kam das Publikum am folgenden Wochenende aus dem anderen Teil der Stadt. Keiner der Beteiligten wird diese Vorstellungen vergessen.

1992 fand zum erstenmal in Deutschland ein Internationaler Michael-Tschechow-Workshop statt, organisiert und ausgerichtet vom Team des tfk. Theaterkünstler aus Ost und West (Rußland, Sibirien, Polen, USA, England, Israel, Spanien, Dänemark) begegneten sich im tfk zu einem Austausch über das Werk von Michael Tschechow. 1995 folgte eine Internationale Expertenkonferenz unter der Schirmherrschaft des damaligen Kultursenators Roloff-Momin.

Heute ist diese Schauspielmethodik in Deutschland bekannt und beeinflußt die Lehrpläne der staatlichen und privaten Schauspielschulen.

Öffentliche Förderung erhält das Theater nicht. Seit seiner Entstehung lebt es vom Enthusiasmus und Mut der Theatermacher. Unterstützt wird das Theater vom Forum Kreuzberg Förderverein, der GLS Treuhand, der Heinz und Heide Dürr Stiftung, der Götz George Stiftung und vom Freundeskreis des Theaters.

Den Künstlern am tfk gelingt immer wieder, bemerkenswerte Aufführungen auf die Beine zu stellen. Sie gründeten einen Förderverein „theaterforum kreuzberg e.V.“ mit dem Ziel, das Theater zu erhalten und die Theaterarbeit auch in Zukunft zu ermöglichen.

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