Hunger und Durst

von Eugène Ionesco
Übersetzung Lore Kornell u. Anemone Poland
Berliner Erstaufführung
Eine Produktion des theaterforum kreuzberg

Wie Jean aufbricht um das Glück zu suchen, was ihm auf seiner Wanderung widerfährt, welche Hindernisse er überwindet, welchen Gestalten er begegnet und wo er am Ende ankommt – davon handelt Ionescos schwarze Komödie.

Mit pointierten Dialogen, Maskenspiel, Musik und Tanz wird der Zuschauer an die tragische Situation des Menschen herangeführt und bei allem Ernst auch gut unterhalten.
Nach den erfolgreichen Ionesco-Inszenierungen (Fußgänger der Luft, 2007; Triumph des Todes, 2005) zeigt das Ensemble des tfk ein weiteres Meisterwerk des absurden Theaters.

„Der Humor bringt uns in ungetrübter Klarheit die tragische oder lächerliche Situation des Menschen zum Bewußtsein. Er ist nicht nur der Inbegriff des kritischen Geistes, sondern der Humor ist die einzige uns gegebene Möglichkeit einer Loslösung von der komisch-tragischen Situation des Menschen auf der Erde, von dem Unbehagen zu sein. … Manchmal bringen Komödien die Leute eher zum Weinen als Dramen. Jedenfalls die Komödien, die ich schreibe. Wenn ich ein Drama schreiben will, bringe ich die Leute zum Lachen; schreibe ich eine Komödie, bringe ich sie zum Weinen.“
(E. Ionesco, aus: Notes et contre-notes, 1962)

1. Teil: Die Flucht
Jean hält es in der engen, dunklen Wohnung nicht mehr aus. Auch die Liebe seiner Frau, die ihm „das Glück der kleinen Dinge“ geschenkt hat, kann ihn nicht zurückhalten. Er verschwindet.

2. Teil: Die Verabredung
Jean betritt eine Terrasse. Im kalten, schattenlosen Licht lungern zwei kafkaeske Wächter. Jean wartet auf die „Dame“. Brennende Sehnsucht hat ihn hierher getrieben. Er besteht darauf, mit dieser „Dame“ verabredet zu sein, seinem Wunschbild von Freiheit und Erlösung. Aber die Verheißene erscheint nicht. „Wo bist Du? Wo soll ich hingehen?“, ruft er. Die beiden Wächter überdecken mit ordinären Alltäglichkeiten seinen verzweifelten Aufschrei und machen sich über seine Zwangsvorstellungen lustig: „Hast du keinen Hunger? Wir haben noch nicht zu Abend gegessen. Ich rieche schon die Suppe. Guten Appetit.“

3. Teil: Vor der Mauer
Ein Hindernis türmt sich auf. Schwätzende Touristen kommen vorbei und bewundern das Bauwerk. Sie diskutieren den Unterschied von Monument und Dokument. Für Jean hat die Mauer mehrere Bedeutungen: Gefängnismauer, Friedhofsmauer, Trennung von der Gemeinschaft und Ausdruck seiner Einsamkeit.
Das Verschwinden der Mauer bringt nichts als neue Unsicherheiten. Schlamm und feuchte Erde bleiben an den Sohlen kleben. Jean tritt durch eine düstere Küche ins Freie. Eine Köchin zeigt ihm den Weg.

4. Teil: Schwarze Messe in der guten Herberge
Jean findet Aufnahme in einem Kloster, das zugleich als Gefängnis, Kaserne, Hölle erscheint. Er wird bewirtet von Brüdern, die auch Folterknechte sein können. Sie geben ihm Brot und Spiele, waschen dem erschöpften Wanderer die Füße, aber dann geht die Beköstigung unmerklich in ein Verhör über, das Spiel in bitteren Ernst. Zwei magere Clowns, eingesperrt in Käfige, schweben von der Decke. Sie strecken ihre Hände gierig durch die Gitterstäbe nach dem Suppentopf, den man ihnen mit böser Lust unter die Nase hält und wieder wegzieht. Mit duftender Suppe wird den verhungernden Clowns das Denken und der Glaube ausgetrieben. Sie werden zu willfährigen Geschöpfen umfunktioniert, die wegen einer Schüssel Suppe alles ableugnen, wozu sie sich eben noch bekannten und nun nachplappern, was immer man ihnen souffliert.
Jean hat sich eingelassen mit den Mächtigen, die über Hunger und Freiheit entscheiden; er hat sich beköstigen und „unterhalten“ lassen. Nun muss er bezahlen, abdienen: den Brüdern den Tisch decken und die Mahlzeit servieren. Der Bruder Buchhalter hat die endlose Anzahl von Stunden errechnet, die Jean zu dienen hat. „Ich will hoffen, daß auch dies vorübergeht“, sagt er und arbeitet immer schneller wie ein zuckender Automat. Draußen, vor einem Gitter, erscheinen seine Frau und Tochter vor dem Bild eines paradiesischen grünen Gartens mit blühenden Rosenstöcken, einer silbernen Leiter … winkend, rufend, wartend.

Es spielt das Ensemble des theaterforum kreuzberg:

Jean – David Hannak

1. Teil: Die Flucht
Marie – Magdalene Hurka
Tante Adelaїde – Inka Pabst

2. Teil: Die Verabredung
1. Wächter – Maik Reif
2. Wächter – Rubèn Bravo

3. Teil: Am Fuße der Mauer
Der Herr – Pasquale Bombacigno
Die Dame – Susanna Reinhart
Zwillingsschwestern – Inka Pabst, Swantje Maue
Der junge Mann – Gregor Marstaller
Schäffer – Maik Reif
Frau – Swantje Maue
Ein Paar – Magdalene Hurka, Rubèn Bravo
Köchin – Rebecca Shein

4. Teil: Schwarze Messe in der guten Herberge
Bruder Tarabas – Thomas Otto
Bruder Apotheker – Swantje Maue
Bruder Psychologe – Inka Pabst
Bruder Jäger – Rubèn Bravo
Bruder Koch – Gregor Marstaller
Bruder Pädagoge – Rebecca Shein
Bruder Buchalter – Pasquale Bombacigno
Clown Tripp – Susanna Reinhart
Clown Toll – Maik Reif
Marie – Magdalene Hurka

am Akkordeon: Dirk Rave / Heiner Frauendorf

Regie: Anemone Poland
Musik: Dirk Rave
Bühne: Robert Schmidt-Matt
Masken: Uwe Krieger
Make up: Rebekka Schwark
Kostüme: Gertraud Wahl-Deschan & Nathalie Säwert
Licht: Frank Wildanger
Fotografie: Anja Beyer
Requisite: Gabriela Olcoz
Bühnenbau/Technik: Gerhard Storek, René Stöhr, Jan Spohn
Regieassistenz: Benjamin Fischer, Thilo Herrmann, Philipp Scholtysik
Assistenz/Dramaturgie: Anne Mourier
Rechte: Theater-Verlag Desch

Mit Unterstützung der Alfred-Rexroth-Stiftung

Pressestimmen:

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